Monday, September 26, 2005

Brecht ´n Roll

Brecht also verließ den Himmel, als er die Feiern anlässlich seiner Heiligsprechung nicht länger ertrug. Für die Niederkunft wählte er ein Kaufhaus in Peking (Beijing), wegen der Verfremdung und größeren Distanz. Dort erschien er den aufstrebenden Massen auf den hochfahrenden Rolltreppen zwischen den Etagen Werkzeugabteilung und Damenunterwäsche. Brecht, nach unten eilend, trat auf der Stelle, während die Massen an ihm vorbei drängelten.
Als Kunden des größten Kaufhauses der chinesischen Hauptstadt den `Geisterrolltreppenfahrer´ attackierten und mit Flüchen aus der Zeit der Kulturrevolution bedachten, floh Brecht schnell und weise aus dieser kapitalistischen Blüte inmitten eines Sozialismus zurück in sein himmlisches Exil.
Beim nächsten Versuch geriet er auf eine flotte Rutsche direkt in die deutsche Vorhölle, Abschnitt Berlin. Dort werden die Arschlöcher der zu Erwartenden schon lange vor ihrem persönlichen Erscheinen amtlich vermessen.
Peinlichst deutsche Wertarbeit verrichtende Teufel hatten gerade die Maßlosigkeit eines gegenwärtigen deutschen Politikers zur Messung.
Brecht zeigte man die Instrumente. `Ham wa dich endlich, Berti´? Doch er verwies gelassen auf seinen göttlichen Passierschein. Seit der Dreigroschenoper hatte er nicht nur bei Armen Kredit.
`Das geht alles seinen behördlichen Gang´, kicherte ein rotgehörnt Uniformierter nach Durchsicht der Dokumente, `bei uns liegt gegen sie was vor. Hier, ein Kürzel als Vermerk verweist auf eine Akte.´
Brecht erschrak. Was hatten die Spitzel wohl über ihn notiert? Er musste der Maßnahme entkommen, den Uniformierten auf seine Seite ziehen.
`War wohl nichts mit Kommunismus in Deutschland´, raunzte der ihn hämisch an.
`Na ja´, meinte Brecht, `das sieht wohl so aus. Aber man täuscht sich. Wenn ihr so weiter macht, wird bald der Kommunismus siegen´.
Der Teufel lachte schallend über diese Rede, doch Brecht fuhr fort: `Der Kapitalismus ist nur ein Zwischenspurt im Sozialismus. Wenn erst die Technik voll entwickelt ist, gibt´s keine Arbeit mehr für Keinen. Wir verteilen dann der Maschinen Profit an alle für die Kaufkraft, damit das System auch weiter funktioniert. Von mir aus nennen wir es Kommunismus, es gibt ja schließlich dann auch keine entfremdete Arbeit mehr´
Der Rotgehörnte wurde blass.
`Am Baum der Erkenntnis hängt die kapitalistische Frucht, reif für die kommunistische Ernte´, lästerte Brecht gezielt weiter.
Da stieg mit aller Macht dem Teufel die Zornesröte ins Gesicht: `Hau bloß ab´! Und Brecht ließ sich nicht zweimal bitten.
Doch der Teufel dachte nun über seinen Kapitalismus nach.
`Die Gene dieser Frucht muss ich manipulieren. Damit, was dann aus der Erkenntnis fällt, nicht Kommunismus, sondern Apokalypse heißen kann.´