Kritik zu „Anonymous“ von Roland Emmerich
„Feindbild Theaterautor“
Wäre Shakespeare zeitgenössischer Theaterautor, hätte Roland Emmerich jetzt eine Anzeige wegen Verleumdung am Hals und sein Film „Anonymous“ dürfte per Einstweiliger Verfügung nicht mehr öffentlich gezeigt werden.
Es wirkt natürlich billig, über einen historischen Theaterautor herzuziehen, der sich nicht mehr wehren kann. Und wissenschaftliche Beweiskraft für die Richtigkeit seiner Hypothesen über Shakespeare bleiben Emmerich und sein Drehbuchautor definitiv schuldig. Aber ist der Film wenigstens optisch gelungen?
Schöne Bilder gibt es darin sehr viele. Schöne blonde Jünglinge vor allem, ansonsten ein paar hässliche Frauen und perfekt animierte, historische Landschaften mit Brücken, Burgen und Schlössern. Da beweist Roland Emmerich, was er als Regisseur des teilweise am Rechner erzeugten Films tatsächlich drauf hat. Das ist sein Metier!
Man möchte aber auch begreifen, warum ein Regisseur anscheinend so böse auf einen Theaterautor ist, dass er ihm posthum die Ehre einer solch offensichtlichen Intrige erweist?
Was möchte Roland Emmerich eigentlich erzählen, wenn er handwerklich ungeschickt die Figur seines „William Shakespeare“ als dreisten Hanswurst erzählt, ihn von Beginn an mit so geringer Fallhöhe ausstattet, dass absolut keine Spannung darüber aufkommen kann, ob er nun Urheber seiner Werke war oder nicht?
Werden in diesem Film also mal wieder die dumpfdeutschen Ressentiments gegen Autoren aufgeweckt, die man aus den unglücklichsten Zeiten deutscher Geschichte mehrfach kennt?
Statt Bücherverbrennung nun Autorenverbrennung? Also nur Herr Adel oder Frau Linientreu dürfen Bücher schreiben?
Man möchte Roland Emmerich wegen des optisch attraktiven Films nicht zu sehr verurteilen! Vielleicht handelt es sich ja auch bloß um die heute übliche Arroganz von Regisseuren, die jedes Recht auf Kunst für sich allein reklamieren wollen, weil sie schlichte Egomanen sind!
Ähnlich wie nun Roman Polanski als Regisseur des Kammerspielfilms „Gott des Gemetzels“ sich im Filmtitel fett über Jasmina Reza feiern lässt, während die Urheberin gerade mal ganz kurz namentlich eingeblendet wird. Na, wenigstens wird Frau Reza ein paar Tantiemen dafür erhalten haben, Gott sei Dank!
Sehen wir demnächst einen Film über Bertolt Brecht, in dem hieb und stichfest bewiesen wird, dass seine Geliebten ihm zuliebe ihm seine Stücke schrieben, weil er doch solch ein erotischer Bettgenosse war?
Bestimmt erst dann, wenn er siebzig Jahre tot ist! Zweitausend wieviel?
Copyright 2011, Volker Lüdecke
No comments:
Post a Comment