Tuesday, October 04, 2005

Aufs Amt

Herr G. las in der Zeitung. Von `ethnischen Säuberungen´ wurde berichtet. Für Sauberkeit war er auch. Fremdwörter schlug er nicht nach, weder Ethik noch ethnisch. Er besaß kein Fremdwörterbuch. Und hatte Arbeit.
Schmierereien an den Häuserwänden, die regten ihn auf. Fremde, unleserliche Schrift. GOARH! Das wird immer schlimmer, von Jahr zu Jahr, von Monat zu Monat, fast stündlich wird geschmiert.
Schlimmer wird es, Herr G. umringt von Zeichen, die er nicht versteht, an einem Morgen, den er nicht versteht, starrt er an eine Wand. Haifischzähne, mannsgroßer Rachen, schluckt Herrn G. Als Grund von diesem Schlund ein rotes A, dem fehlt ein Bein.
Herr G. in einem Ungeheuer, findet eine Zahl, die hält er, die hält ihn fest. Zwei Ziffern in der Hand, Sinn für ein, zwei Stunden Warten.
Hätte Herr G. in ein Fremdwörterbuch geschaut, und hätte er darin den von Herrn K. für seinesgleichen eingeführten Begriff `endogenes Potential´ gefunden, ja dann hätte er gewusst, woran er mit sich ist.
So verlor er sein Potential, sein inneres Protestkapital. Das er damals noch hatte, als er ausgemustert wurde. Das, was er war, blieb nicht. Und dass es endgültig war, erfuhr er erst nach langem Warten.
Dafür traf er zufällig Herrn K., auf der Suche nach dem neuen Begriff, stammelnd vor Graffitikunst. Am Rande einer Führung.
Ach, ich heiße Groß. Ha, ha, ich heiße Klein.

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