New Berlin with Soda
Soda-Brücke nannten seit neunzehnhundertneunundsiebzig im Stadtteil Neukölln Anwohner eine Autobahnbrücke, denn sie stand fertig einfach so da. Ohne Fahrbahnanschluss, jahrelang, so da allein für sich.
Den Bau der geplanten Autobahn hatte eine Bürgerinitiative gestoppt. So fuhr kein Auto jemals da rüber. Es gab so viele Bürgerinitiativen damals, mehr als Eckkneipen.
Neunzehnhundertsiebenundneunzig erhielt sie zwei Monate vor ihrem Abriss zur allgemeinen Erheiterung, so wie sie dann da war, verziert mit politischen Parolen, einen komplett neuen Anstrich.
Farbe aus dem Behördendickicht. In Berlin trinkt man gern Weisse mit Schuss! Himbeere oder Waldmeister sollen ja nicht benebeln, man bleibt bei klarem Verstand.
Soda trinkt man eher außerhalb, jenseits der Stadtgrenze, vielleicht in Brandenburg. Wo man so großartig nicht da sein mag. In Preußens Hauptstadt stehen die Bäume im Grunewald nicht einfach so da. Die stehen da pro Kopf.
Wir können auf uns mit Sekt anstoßen, dass wir nicht einfach so da sind. Wir sind Berliner. Wir sind keine Fehlplanung. Wer von sich behauptet, eine Fehlplanung zu sein, kann höchstens ein meckernder Berliner sein. Soll es ja geben. Die meckern so einfach da an allem herum.
Weil Berlin so eine große Großstadt ist, passieren da eben Fehlplanungen. Da kommt einer an und sagt: so, da bin ich. So baue ich das neue Berlin.
Das bleibt dann für die nächsten Jahre so da. Wem es so nicht passt, der soll gefälligst da hingehen, wo so nicht gebaut wird. Das ist jetzt so ein Bürogebäude da, und so, da brauchen wir noch ein Bürogebäude. Oder so was da!
Was alles so noch nicht da ist, da haben die da schon so eine Vorstellung. So ähnlich wie die vor ihnen sie damals auch schon hatten. Es soll da auch welche geben, die eine Vision haben, die fast genauso schon einmal da war.
Was vom vorm Krieg heil geblieben ist, ist sowieso da. Was danach kam, ist provisorisch so da, weil es insgesamt so eigentlich nicht geplant war. So richtig planen konnten die das Ganze nicht, weil keiner wusste, wie sich die Geschichte so entwickelt da mit Westberlin.
Als die Berliner Mauer so über Nacht auf einmal da gestanden hatte, wurde sie so Jahrzehnte später von Mauerspechten da fast über Nacht einfach zerhackt. Als ob sie so niemals da gewesen wäre. Und sie bekam vorher schnell farbig gesprüht noch einmal einen neuen Anstrich, zum besseren Verkauf der Reste.
So danken Berliner ihren grandiosen Baumeistern.
Copyright 2005, V.E.L.
No comments:
Post a Comment