Wednesday, October 05, 2005

Das Beste noch vor
Angekommen, wo es keine Rolle spielt zu sein. Nachbarn, die sabbern und zucken. Kein Wort, das ist Routine. Uns geht es blendend, flöte ich, doch keiner ist beleidigt. Die Kanten sind hier rundherum aus Gummi. Die Betten gemacht, die Flaschen kreisen, Urin. Zwei im Rollstuhl, das Frühstückstischtablett mit Pillenleiste steht am Fenster. Abstellen dauert nicht. Gegenüber im Bau, ein Fenster. Die in der Loge drüben weint. Tränen, Julia, tropfen aus deinen tiefen Schattenaugen, dein Blick ist leer, wohin? Sie isst nicht mehr, ich auch nicht. Da drücken sie mir eine Injektion rein. Habe gebissen, gestern, einen, glaube ich, und dafür denken sie sich etwas aus.
Die Wirkung kommt in einem Stoß, mein Herz pumpt, pumpt, überschlägt sich, steht still, pumpt, pumpt, das dauert. Ich, das jedenfalls, was es geworden ist in meinem Leben, schaut zu.
Lange, bis endlich Nacht, die kein Schwarzfilm ist, einfällt. Bilder, welche weiß ich nicht, Archiv nicht meiner Biografie, fremd in eigenen Träumen. Lebenskraft reißt diesen Vorhang weg.
Ein Gefühl wird ein Gesicht, ein Geruch, und gleich verfällt es. Schauen schafft das Licht für jedes Bild in dieser Nacht. Ich nicht mehr als das, Spiegel eines alten Sonnenfeuers. Beim höchsten Wirkungsgrad, erreiche Kontrolle über Muskeln. Kann ausgehen, mein Dämon ist lebendig, der schafft Vergnügen mir ohne Rücksicht. Hellwach zu mancher Nachtzeit. Werde durch meine Straßen gehen.
Laut sein in der Nacht heißt Aufruhr. Der Sterbefrieden wird gestört, weil einen Anspruch Sterbende nicht stellen dürfen. Wozu von einem anderen Leben träumen, eines ist sinnlos genug.
Ein Extrapillchen liegt bereit. Gehe mein Rechteck ab im Kreis. Kriege zwischen meine Zähne etwas, neben Fluchen: Schlucken! Schlucken! Transporte finden statt, Schiffe, Züge, Autobahnen, ich würge: Wasser!
Höre wieder Flüche, eine neue unbekannte Stimme, voller Wut und Ekel: Spülen! Spülen!
Ist zu leben ein Befehl, dann kann sich töten, wer sich ungehorsam ist.

Ich komme rein, schalte auf Unterhaltung. Guten Morgen, wünsche wohl geruht zu haben, etwas Musik? Ziehe Blicke auf mich, derer die noch hören können, sehe nach, wer an diesem Morgen wohl verstorben ist. Die Toten werden auf den Gang geschoben, die noch leben bekommen Frühstück.

Copyright 2005, V.E.L.

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